Sammlung
Abmessungen
Bild H: 200 cm B: 122,5 cm
Datierung
Inventarnummer
H 586 - 96
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Beschreibung
Die vorliegende Arbeit der Malerin und Grafikerin E.R.N.A. veranschaulicht die sich wandelnde Wirkung eines Faltrollos in Abhängigkeit seiner perspektivischen Betrachtung. Auf einem Tisch entrollt, nimmt das Auge lediglich die schrillen, leuchtenden Farben eines abstrakt scheinenden Bildes wahr. Hängt das Rollo hingegen entfaltet an der Wand, wird sogleich eine figürliche Komposition erkennbar, die an eine Gruppe junger Menschen in einer Diskothek denken lässt. Inmitten von Gedrängel, lauter Musik und grellem Lichtspiel verschmelzen die Körper aller Tanzenden miteinander. Allein die Figur mit stark geschminktem Gesicht und Punk-Frisur sticht noch aus der Masse heraus und gibt der Szenerie etwas Unheimlich-Groteskes. Die Stimmung changiert zwischen geballter Erotik und unkontrollierter Ekstase.
1991 entstanden und in der Cottbuser Schau „Rollo. Kunst als Dekoration?“ ausgestellt, ist diese Arbeit eine von etwa elf weiteren Faltrollos der Künstlerin (E.R.N.A., 2021). Mit anderen Objekten war sie bei der Intermedia I in Coswig sowie bei den Folgeausstellungen in der Cottbuser Schlosskirche und der Galerie Haus 23 vertreten. Rückblickend spricht die Künstlerin den Faltrollos eine äußerst praktische, aber auch politische Qualität zu:

„Das Faltrollo war für den schnellen Auftritt gedacht. Bemalt, gefaltet, leicht zu transportieren und schnell an geeigneter Stelle zu positionieren. Das war in den 80iger Jahren in der DDR eine Möglichkeit Ausstellungen unkompliziert entstehen und auch wieder verschwinden zu lassen. […] Nach der Veranstaltung wurden sie leicht wieder aufgerollt und entfernt. Damit konnten auch politische Inhalte transportiert werden, ohne den Staatsorganen in die Hände zu fallen.“ (E.R.N.A., 2021)

Caroline Kühne, 2021

Literatur und Korrespondenz:
E-Mail von E.R.N.A. vom 21. März 2021.
Beschriftung
sign. u. dat. u. r.: ERNA91
Bildrechte
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022