Sammlung
Abmessungen
Blatt H: 200 cm B: 130,5 cm
Datierung
Inventarnummer
GH 176 - 2019
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Beschreibung
Starr und scheinbar leblos stehen in einem spärlich ausgestatteten Raum zwei Frauenkörper mit schwarzen Stöckelschuhen. Ihre Mimik, Körperhaltung und kahlen Köpfe weisen sie eindeutig als Puppen aus. Ihre Leiber sind abgenutzt, verblichen und von Flecken übersät. Trotz der beachtlichen Höhe von zwei Metern wirkt das Faltrollo für die überlebensgroßen Puppen beengend: Es fehlen nur wenige Millimeter zwischen Kopf und Holzleiste, und auch die Füße der Frauen ragen beinahe aus dem Bildraum heraus. Bei genauerer Betrachtung fällt zudem auf, dass das Rollo bei größtmöglicher Öffnung bemalt und seine Faltungen demnach außer Acht gelassen wurden. Die Oberfläche des papiernen Bildträgers ist Teil der Kulisse. Primär wurde mit Gouache gearbeitet; die Körper der Puppen sind zusätzlich mit Kohle konturiert.
Puppen spielten für die Kunst des Malers und Grafikers Hubertus Giebe eine wesentliche Rolle. Ob als Hauptakteurin in seinem „Aufmarsch der Puppen“ oder als staffage-ähnliche Nebenfigur in den großformatigen Geschichtsbildern: Seit 1980, als der Künstler eine Schaufensterpuppe als verbleibendes Requisit eines Hochschulfaschings entdeckte, gehört dieses Bildmotiv zu seinem festen Repertoire (Hoffmeister, 1998). Außer im Porträt treten seine weiblichen Figuren fast ausschließlich in Form von Puppen, Engeln und Akten auf. Nahezu obsessiv reproduziert er reduktionistische Frauenbilder, die immer wieder mit Nacktheit und Passivität assoziiert werden. Das vorliegende Faltrollo von 1986 reiht sich damit thematisch in das Gesamtœuvre des Künstlers ein. Für die „Intermedia I“ in Coswig gestaltete er ein sehr ähnliches Rollo: Diesmal mit drei beieinanderstehenden, nackten Puppen mit schwarzen Stöckelschuhen.

Caroline Kühne, 2021

Literatur und Korrespondenz:
Titia Hoffmeister, Über die Gemälde von Hubertus Giebe, über das Einzelne, Sinnbildhafte, Fragmentarische und die Klarheit. In: Bernd Weise, Hubertus Giebe. Malerei 1974-1997. Mainz 1998, S. 7.
Bildrechte
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